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Die Verträge für Bucherbach 2024 sind in Arbeit. Weitere Interessenten sind gerne gesehen.
Auf ein gutes Jahr 2024!!!

Die CD des Abschiedskonzerts von Theoderich Nemmersatt und kann hier geordert werden.

Jeden Freitag n.V.: Tanzen in Wehrden
n.V.: Schaukampf auf der Burg

07.01.: Neujahrsbrunch und Mitgliederversammlung bei BARIS
30.03.: Burgreinigung Bucherbach
25.04.: Führung auf Burg Dagstuhl
27.04.: Gartenlager
: Führung auf Burg Dagstuhl
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: Führung auf Burg Dagstuhl
23.06.: Führung auf der Liebenburg
: und sonntags zur Liebenburg -verschoben auf 2025-
07.07.: Führung auf der Liebenburg
20.07.: Mittelalterliches Kinderfest auf Burg Bucherbach
21.07.: Führung auf der Liebenburg
: 9. Mittelalterliches Treiben auf der Liebenburg -verschoben auf 2025 -
14.08.: Nachtführung auf Burg Dagstuhl
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14.09.: Nachtführung auf der Liebenburg
28.09.: Burgreinigung Bucherbach
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Naturfarben

Begonnen von Dennis, 22. Mai 2005, 19:57:21

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VaTiSi

Workshop fände ich eigentlich eine gute Idee.
Kann man ja alles in Herbst/Winter schieben!
Das Glück ist im Grunde nichts anderes als der mutige Wille, zu leben, indem man die Bedingungen des Lebens annimmt. - Maurice Barrès (1862 - 1923)

Marion

@Dennis: ich wollte ja auch nur verhindern, dass ich jetzt die Rinde mit zum Verbrennen gebe und die Blüten kompostiere und in einigen Wochen hätte sich die Frage gestellt wo man das Zeug herkriegt. Ich bin ja mal gespannt, ob das mit dem Färben tatsächlich klappt.
Wer keinen Mut zum Traeumen hat, hat keine Kraft zum Kaempfen.

Dennis

Ja, Winter ist eine gute Zeit für sowas, vor allem erfüllt das Feuer dann noch einen zweiten Zweck ;)

@Marion: Ich weiß leider gar nciht, was genau man alles von Kornblumen benötigt und wie man Rinde vorbehandeln muß etc. - ich bin momentan noch dabei, Rezepte für die bekannteren Pflanzen rauszusuchen und habe da schon ein paar Probleme...

Ich nehme mal aber an, daß solche Färbemittel eher als von "minderer Qualität" angesehen wurden, da sie eben nicht schön färben - und von daher mag es Probleme geben, überhaupt auf Rezepte zu stoßen, auch wenn man weiß, daß mit den Pflanzen gefärbt wurde.
Zwei Wahrheiten können sich nicht widersprechen - Galileo Galilei
Wer immer nur tut, was er schon kann, bleibt immer nur das, was er schon ist. - Henry Ford I.
Wenn Wissen Probleme macht können wir diese nicht durch Unwissenheit lösen - Isaac Aasimov

Dennis

So, damit der Thread nicht ganz in Vergessenheit gerät...

Ich habe vor kurzem eine große kiste mit zwiebelschalen bekomen und werde (sobald ich mir noch Alaun besorgt habe) mit dem Färben anfangen. Vorerst mal Teststücke: Leinen, Seide, Wollstoff, mit Indigo gefärbter Wollstoff.
Wenn ich Ergebnisse habe werde ich die natürlich wieder hier reinstellen.
Zwei Wahrheiten können sich nicht widersprechen - Galileo Galilei
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Wenn Wissen Probleme macht können wir diese nicht durch Unwissenheit lösen - Isaac Aasimov

fengor

wenn du hilfe brauchst sag bescheid
Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, daß man sie ignoriert.
Aldous Huxley, 26.07.1894 - 22.11.1963
engl. Schriftsteller und Kritiker


Dennis

Danke - aber erstmal werden ein paar Teststücke gefärbt...wenn dann irgendwann Marions große Pötte ausgepackt werden sieht die Sache wieder anders aus ;)
Aber ich sage dann schon bescheid!
Zwei Wahrheiten können sich nicht widersprechen - Galileo Galilei
Wer immer nur tut, was er schon kann, bleibt immer nur das, was er schon ist. - Henry Ford I.
Wenn Wissen Probleme macht können wir diese nicht durch Unwissenheit lösen - Isaac Aasimov

Thjodolfr

Übrigens...auf meiner HP gibts da auch Artikel dazu...vielleicht findest du da noch was interessantes...:

http://www.farmathur.de/faerben_einfuehrung
Glücklich ist, wer sein ganzes Leben Achtung und Einsicht hat; denn übel ist der Rat, den aus des anderen Brust man häufig erhält (Hávámal 51)

Dennis

So, ich habe mal meine Teststücke gefärbt. Das ganze hatte war zwar mit Plastikeimern und Backpulver den Hauch des Provisorischen, chemisch dürfte aber nichts anders abgelaufen sein. Wie auf der Farmathur-Seite angegeben wird eine Färbung mit Zwiebelschalen *ohne* Alaun "ein dunkles Goldgelb" - zu diesem Ergebnis bin ich nun auch experimentell gekommen. Wer meine Ergebnisse mal sehen will: O.g. Link hat nun auch einen Unterpunkt "Zwiebel".
Nur schon mal soviel: Das Färben war erfolgreich :)
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Dennis

Für einen neuen Eintrag auf der HP unter "Wissenswertes" schreibe ich z.Zt. gerade an einem längeren Artikel mit dem Thema "Von der Faser zum Gewand". Gerade das Thema "Stoffe färben" will ich dabei näher ausführen, gerade unter Zuhilfenahme zeitgenössicher Färbeanleitungen. Schon etwas vorgreifend will ich hier einige Färbetechniken (die auch teilweise den Bereich "Pflanzenfarben" verlassen) vorstellen, um einige der möglichen Farbtöne im MA vorzustellen. Bei den Rezepten habe ich einige "obskure" Rezepte (Salbe gegen Läuse...) und die Herstellung von nicht im Textilbereich genutzer Farben und Stoffe (Tinten, Aquarellfarben, Druckfarben, Glas,...) weggelassen. Die Einordnung in die Hauptfarben erfolgt dabei nicht zwangsläufig nach dem erzielten Farbton, sondern nach der zeitgenössichen Einordnung (z.B. wurde Violett als Braunton angesehen). Weiterhin darf man vermuten, daß einige weithin bekannte Färbemittel, die im heimischen Wald gefunden werden können, ihrer Einfachheit wegen keinen Einzug in die Rezeptsammlungen der "Experten" fanden.

Quellen:

  • [IN] Die "Innsbrucker Handschrift" von ca. 1330
  • [NK] Das "Nürnberger Kunstbuch" von ca. 1450
  • [OF] Das "Oberdeutsche Färbebüchlein", ca. 1450

Schwarz:

  • (Schwarzbraun): Die zerstossenen Grünen Nüsse werden nach dem zerkleinern zum Verfaulen gebracht, danach als Färbemittel verwendet.[IN] und [OF]
  • (Blauschwarz) Holunderbeeren werden mit viel Alaun gekocht, mit "schwarzer Farbe" (Eisen und Kupfergallaten) versetzt und zum Färben verwandt.[NK]
  • (Dunkelgrau, Wolle oder Leinen) [Identisch mit dem Rezept für Grau auf Leinen, es wird lediglich eine längere Färbedauer und mehr Rinde empfohlen] [NK] und  ähnlich in [OF]
  • [Identisch mit dem Rezept für Grau auf Leinen, zusätzlich wird Aschenlaufe verwendet] [OF]

Grau:

  • (Auf Leinen) Erlenrinde wird mit Eisenspänen und Alaun aufgekocht und je nach gewünschter Sättigung wird das Leinen lange oder kurz im Sud liegen gelassen. [NK]
  • ("Eisenfarbe") [Ähnlich dem Rezept für graue Farbe aus [NK], zusätzlich wird Met zur Verdickung der Färberflotte verwendet und statt Erlen- kommt Eichen- bzw. Fichtenrinde zum Einsatz] [OF]

Braun:

  • (Rotbraun): Eine Mischung aus Eisenspänen und Eisenrost wird zusammen mit Pech und dem Tuch gekocht.[IN]

Rot:

  • Eine Ätzkalklauge wird aufgekocht, danach wird Brasilholz hinzugefügt und weiter gekocht. Am Ende kann durch Hinzufügen von Alaun damit gefärbt werden.[IN] und [OF]
  • Zinnober wird zerrieben und mit Alaun in Wasser gemischt. Optional wird empfohlen, die Farbe noch durch "schwarze Farbe" (Eisen- und Kupfergallate), Grünspan oder Brasilholz in einer gesäuerten Färbeflotte zu ergänzen.[IN]
  • Analog zum Rezept mit Zinnober wird hier mit Bleimennige gefärbt, ergänzt durch den Farbstoff der Färberscharte.[IN]
  • (Gelbrot) Brasilholz und Ahornlaub werden mit Essig und Alaun, der Absud wird mit Gummi Arabicum versetzt und zum Färben verwandt.[NK] und ähnlich [OF]
  • (Rotbraun, auf Leinen) [Praktisch identisch mit dem Rezept für Gelb auf Leinen] [NK]
  • (Auf Seide) Brasilholz wird mit Wasser und Aschenlauge aufgekocht und zum Färben verwandt.[OF]

Gelb:

  • Arsenblende mird mit Alaun aufgekocht, die Färbung wird in Verbindung mit Essig ausgeführt.[IN]
  • (Orangegelb) Die Wurzeln und Rinde des Sauerdornstrauches werden in Alaun aufgekocht, mit Brasilholz und Arsenblende vermischt und zum Färben verwendet.[IN]
  • (Orangebraun, auf Leinen) Saflor wird in Aschenlauge gekocht, dann mit Grünspan, Alaun und Gummi Arabicum versetzt. Der Heisse Sud wird dann noch einmal über Grünspan gegossen, danach wird das Leinen für 3-4 Stunden in den Sud getaucht.[NK]
  • (Auf Seide) Färberwau wird mit Alaun und Aschenlauge aufgekocht und zum Färben verwandt. Zur besseren Farbsättigung kann zerstossenes und untergemischtes Galmei verwendet werden. [OF]

Grün:

  • Grünspan wird mit Urin und Alaun aufgekocht und mit Gummi Arabicum gemischt. Zum aufhellen der Farbe wird Arsensulfid empfohlen.[IN]
  • (Blaugrün) Holunderbeeren werden mit viel Alaun gekocht und zum Färben verwandt.[IN]
  • (Blaugrün, dunkel) Heidelbeeren werden in Essig gelegt, ausgedrückt und abgeseiht. Je dunkel ("satter") die Farbe sein soll, desto mehr Grünspan soll hinzu gegeben werden. Das Tuch wird dann in die kalte Mischung hinzugegeben.[NK]
  • (Auf Leinen) Eine Mischung aus Beeren (Wacholderbeeren, Kreuzdorn u.a.) und Grünspan mird mit Alaun und Gummi Arabicum gekocht. Das Leinen wird danach für 3-4 Stunden in den Sud gelegt.[NK]
  • Ein Kupferbecken wird mit Honig bestrichen und danach mit Salz bedeckt. Darüber wird ein zweites Becken gestürzt. Nach 10 Tagen wird das angeschabte Salz mit Essig und Alaun aufgekocht und zum Färben benutzt. (Es bilden sich kupferkarbonate, die sich leicht in Wollfasern festhalten können) [OF]
  • (Laubgrün) Reinweide und Essig werden mit Hefe vermischt und zwei Tage stehen gelassen. Vermischt mit Alaun, Gummi Arabicum und Bier kann damit dauerhaft grün gefärbt werden.[OF]
  • (Laubgrün) Färbung mit Hilfe von Indigo, Safran, Wasser und Alaun [Details der Einzelfärbungen fehlen im Rezept, deren kenntnis wird wohl vorausgesetzt] [OF]
  • (Laubgrün, auf Seide) Ysop (Josefskraut) wird mit Wasser aufgekocht und zum Färben verwandt.[OF]
  • (Auf Seide, kräftig) Aschenlauge wird in hoher Konzentration angerührt und acht Tage lang stehen gelassen. Ysop (Josefskraut) und Alaun wurden hinzugefügt und aufgekocht, zusätzlich wurde zerstossenes Galmei hinzugefügt und schließlich das Tuch. [OF]

Blau:

  • (Indigoblau) Indigo (im Rezept mit billigerem Attich "gestreckt") wird zerrieben und aufgekocht. mit Alaun gemischt wird die Farbe auf das Tuch aufgestrichen.[IN] und ähnlich in [OF]
  • (Auf Seide) Himbeersaft wird mit Alaun, Urin und Essig verkocht und dann zum Färben verwandt.[OF]
  • (Violett, auf Seide) Himbeersaft wird mit Alaun, aber ohne Säure (Urin, Essig) verkocht und zum Färben verwandt.[OF]
  • (Wenig farbecht) Heidelbeeren werden mit Alaun und "etwas Wein" aufgekocht und dann zum Färben verwandt.[OF]
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Advocatus

Hi Dennis!

Vielleicht hast du ja Lust im Winter noch mal zu färben. Ich würd mich mit meiner Frau dann gerne mal dranhängen. Ich hab da noch 10 meter naturfarbenen Wollstoff, der eh zum Färben vorgesehen war. Und mit ein paar anderen machts dann doch mehr spass. *g*
Gleichzeitgi könnten wir dann noch den Beschusstest machen *g*

Gruß
Pepe
si deus nobiscum - quis contra?

Wenn Gott auf unserer Seite ist, wer kann schon gegen uns bestehen?

www.vogtvonhunolstein.de

Von unten betrachtet wirkt Niveau immer wie Arroganz!  (Author: Unknown)   http://s6.bitefight.de/c.php?uid=14305

Dennis

Gerne, gerne - müsste nur endlich mal das nötige Färbematerial besorgen. Von anderer Stelle werde ich ja auch schon öfters mal dran erinnert, daß noch zwei Mäntel zu färben sind...dank einer netten Spende habe ich ja immerhin schon einen sehr großen, Eisentopf zum Färben.
Können ja spätestens dann mal was ausmachen, wenn ich die Keramik abhole! Ggf. uns auch beim Kauf des Färbematerials zusammentun - aber das besser entweder per PN oder wenn wir uns denn mal sehen.

Ach ja, falls das klappt und bei mir (bzw. meiner Mutter - meine Wohnung eignet sich nicht für offenes Feuer) stattfindet werde ich das ganze noch als Workshop o.ä. extra ankündigen.
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Dennis

Hier noch zwei neue Ergebnisse meiner Versuche mit Textilfarben:

Einmal habe ich verschiedene Stoffproben mit nichts als schwarzem Johannisbeersaft und Essig gefärbt (eine saure Umgebung sorgt bei vielen Beerenfarben für einen satteren Farbton - habe ich zumindest so gelesen). Eine Beize wie Alaun habe ich nicht verwendet, da solche Färbungen mit leicht verfügbaren Mitteln "für den Hausgebrauch" (also nicht von einem professionellen Färber durchgeführt) sicherlich auch oft ohne teure Chemikalien auskommen musste. Ist aber auch nur eine Vermutung. Wie erwartet nahmen die tierischen Fasern die Farben wesentlich besser auf als die beiden Proben aus Leinen - diese verloren beim gründlichen Ausspülen einen Großteil der Farbe. Hier jedenfalls die Ergebnisse:

Bild
Von links nach rechts: Dünner Wollstoff, natur; Seide, weiss; Leinen, natur (hell); Leinen, natur (dunkel)

Das zweite Experiment war der inzwischen zweite Versuch, ein Rezept aus dem Nürnberger Kunstbuch nachzuvollziehen - der Silberdruck auf Stoff. Hierbei wird mittels eines Holzmodels (Bei mir aus Fimo nachgearbeitet) eine Art Ölfarbe, die aus Mastix, Leinölfirnis und Bleiweiss (Bei mir wegen diesen doofen Abgabebestimungen für giftige Stoffe Titanweiss ;) ) gekocht wird auf den Stoff gedruckt. Auf die noch feuchte Farbe wird Blattsilber gelegt und vorsichtig angedrückt. Nach dem Trocknen der Farbe können die ungewünschten Silberpartien einfach abgezogen bzw. abgerieben werden.
Schwierigkeiten ergaben sich beim ersten Versuch dadurch, daß sich das moderne, eigentlich viel zu dünne, Blattsilber wesentlich schlechter handhaben läst und dazu neigt, auch von bedruckten Stellen abzublättern (gerade durch die fast unvermeidliche Faltenbildung). Um dies auszugeichen habe ich das Blattsilber nach dem Druck für einen Tag mit etwa 5kg beschwert, was ein deutlich besseres Ergebnis lieferte.
Inspiration für mein Druckmodel ist ein noch existierender, blauer Leinenstoffrest, der mit dem gleichen Muster mit Silber bedruckt wurde - Als SW-Fotokopie neben meinem bedruckten Stoff im Bild zu sehen. Der Stoff wird auf das 13.-14. Jhd datiert. Es ist mir aber nicht bekannt, ob er mit der von mir verwendeten Methode hergestellt wurde - Silberdruck mit einer Silberpigmentfarbe wäre auch möglich.

Bild
Links der Originalstoff (Im Original blaues Leinen), Rechts mein bedruckter Stoff (Indigogefärbter Wollstoff)

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Advocatus

hmmmm  wenn ich mir das 2te Bild anschau, kommt mir die Lust aus so einem Stoff meine Hohzeitskotte zu machen *g* oder zumindest den surcot aus diesem Stoff zu machen. hmmmmmm

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Dennis

Äh...ja...das dachte ich auch zuerst - druck Dir genug Stoff für eine edle Gewandung. Nach dem ersten Versuch: Naaaa...vielleicht genug Stoff für eine Gugel? Nach dem zweiten Versuch: Vielleicht kannst Du Dich ja dazu durchringen, genug Stoff für einen Almosenbeutel herzustellen...?  ;)

Ich schätze, daß ein ärmelloser, langer Surkot in meiner Größe etwa 3m Stoff bei einer Webbreite von ~60cm benötigt. Das Einzelmotiv nimmt (Überlappungen eingerechnet) etwa 8x8cm in Anspruch. Vorausgesetzt ich halte mich an die vorgegebene Motivdichte bedeutet das, ich müsste das Motiv etwa 38x8 = 304 mal aufdrucken. Neben der offensichtlich immens hohen Arbeitszeit (und daß meine Druckergebnisse immer noch was Haltbarkeit betrifft zu Wünschen übrig lassen) würde ich dafür Mastix für 25+ Euro und etwa 250 Blatt Blattsilber für zusammen etwa 60-70 Euro verbrauchen. Natürlich tue ich das nicht mit Karstadt-Stoff: Ich würde handgewebten Wollstoff nehmen, vielleicht ein schöner Rautenköper. Das wären dann nochmal sicherlich 80-100 Euro. Gefüttert wird der Surkot dann mit handgewebtem Leinen, das aber billiger ist - sagen wir mit viel Glück 15 Euro. Beides müsste noch gefärbt werden, wobei ich für das Material mal noch 30 Euro berechne.
Ich komme also auf summa summarum 250 Euro und wochenlange Arbeit. Im Moment für mich ein wenig zu viel ;)
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Grins Man heiratet nur einmal *g*  ( Denk ich doch *g*)
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Dennis

#35
Neue Färbeergebnisse. Zunächst mal für die Freunde der Farbe schwarz ;)
Mittels eines schwedischen Rezepts des 10. Jhds - oder einer Modifikation davon - konnte ich Leder mit einer Mischung aus schwarzem Pigment und Fett färben. In meinem Fall eine Hautcreme, die mit "schwarzem" Eisenoxid (Magnetit) angereichert wurde. Ruß wäre auch gegangen, aber da hatte ich keinen im Haus... ;)
Diese Mischung wurde damals offenbar vor oder zum Gerben in das Leder eingerieben und sorgte für eine dauerhafte schwarze Farbe. Logischerweise müsste meine Färbung auf bereits gegerbtem Leder vergänglicher sein, sie ist aber stattdessen intensiv und nicht mehr abfärbend.
Hier die Ergebnisse, gefärbt wurden einmal ein bereits dunkelbraunes Leder, und zum anderen ein weisses Stück:

Bild
Oben vor dem Färben, unten danach. Beide Lederarten mit modernen Mitteln gegerbt

EDIT: Interessanter Nebeneffekt: Das Leder enthält danach genug Eisen, um einen Magneten an sich zu halten.


Als nächstes habe ich noch mit gleich zwei gelben Farbstoffen experimentiert. Beide sind ursprünglich nicht in Europa beheimatet, wurden laut römischen Quellen bereits im Altertum importiert: Safran und Curcuma.
Die Färbestoffe in beiden Pflanzen haben - ähnlich wie der der Zwiebel - die Eigenschaft, substantive Farbstoffe zu sein. Dies bedeutet (unter anderem), daß sie sich auch ohne Beize in den Stoff bringen lassen, wobei eine zusäztzliche Beize eventuell das Ergebnis noch verbessern kann. Ich habe der Einfachheit halber ungebeizte Stoffe gefärbt, je ein Stück naturfarbenen Wollstoff, weiße Seide und ungebleichtes Leinen.
Safran ist wohl vor allem wegen seines immens hohen Preises bekannt, dies gleicht sich zum Glück dadurch aus, daß Safran enorme Mengen Farbstoff enthält - es waren für das intensive Färben der Probe lediglich 0.1g notwendig. Umgerechnet bedeutet dies, daß man zum Färben von ca. 1x1,50m eines leichten Wollstoffes etwa 10g Safran benötigt. Nunja, immer noch billiger als Purpur...
Curcuma dagegen ist zumindest modern sehr viel billiger, in die gleiche Stoffmenge wanderten (aus meinem Gewürzregal) etwa 10g des reinen Gewürzes (nicht: Curry) in die Färbeflotte.
Man sieht, denke ich, gerade auf dem Wollstoff gut das gelben und leicht orangestichigen ("goldfarbenen") Ergebnis der Safranfärbung. Die Curcuma-Färbung ist dagegen (trotz völliger Farbstoffübersättigung) etwas blasser, das gelb leicht grünstichig.

Bild
Oben Safran, unten Curcuma. Von links nach recht: Dünner Wollstoff, natur; Seide, weiss; Leinen, natur (hell)

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Dennis

Hier gibt es auch noch eine grobe (da nicht unbedingt immer von den Farbtönen her korrekte) Übersicht über die wichtigsten Färbemittel und die damit erreichbaren Farben. Die Preise finde ich allerdings indiskutabel ;)
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Dennis

#37
So, morgen bin ich schon weit, weit weg für Sylvester, und da dachte ich ich verabschiede mich für dieses Jahr am besten mit den neuesten Färbeergebnissen. ;) Bei allen Probestücken gilt: Von links nach rechts sieht man Wollstoff, Seide und Leinen aus der gleichen Färbung. Wenn nicht anders angegeben lag bei allen Stoffen eine Alaunbeize vor. "F/S" gibt das Verhältnis von Stoff zu Färbemittel an.

Den Anfang macht Rotholz, das rosa/rot/pink färbt. F/S 1:2.3. Bild. Mit einem höheren Färbemittelanteil dürfte auch noch ein wesentlich kräftigeres Rot möglich sein.

Es folgt Färbungen mit Cochenille, das je nach Beize und pH-Wert die ganze Palette von rosa bis purpur färbt (F/S 1:6). Cochenille ist kein mittelalterliches Färbemittel, da die Cochenille-Schildlaus aus Amerika importiert werden musste. Allerdings ist der Farbstoff (Karmin) im Panzer dieser Laus der gleiche wie der der europäischen Kermes-Schildlaus, die leider selten geworden ist. Die erreichen Färbungen dürften ähnlich, wahrscheinlich aber intensiver sein.Hier eine Rosafärbung mit Alaunbeize und Zugabe von Ammoniak. Ein kräftiges Rot erhält man auf ungebeiztem Stoff, indem man im Laufe der Färbung ein Zinksalz (hier: Zinkacetat) und Säure (hier: Essigsäure) hinzugibt. (Bild, hier übrigens mit den ungefärbten Stoffen zusammen). Eine Purpurfärbung konnte ich mangels Eisensulfat nicht durchführen, das Bild wird aber späterhier zu sehen sein.

Als Überleitung zur Färbung mit Krapp ist hier eine Doppelfärbung von Cochenille mit Krapp zu sehen (F/S: 1(Cochenille)/10(Krapp) : 6). Der Stoff wurde nicht gebeizt, im Laufe der Färbung wurde aber Alaun, Weinstein, Zinnacetat und Säure hinzugegeben. Gespült wurde mit Ammoniak. Es folge eine reine Krappfärbung (F/S 1.6:1) unter Zugabe von Weizenkleie (Bild). Man beachte, daß hier auch das Leinen recht intensiv gefärbt wurde. Mit entsprechenden Vorbeizen (in Europa erst Ende des Mittelalters bekant, im Orient schon früher) kann man Krappfärbungen auch dauerhaft auf pflanzlichen Textilien heltbar machen. Unter Anwesenheit von Kupfer (Färbung im Kupfertopf) nimmt Krapp einen zunehmend orangefarbenen Ton an. Hier leider nur an der Seide halbwegs gut zu sehen, da ich auch nur kleine Mengen von Kupfer in einen Stahltopf hinzugegeben habe.

Reseda (auch genannt Färberwau) ergibt eine leuchtend helle Farbe. Bild Hier zunächst eine Doppelfärbung mit Krapp, wobei der Krapp leider das Gelb der Resedafärbung (aus folgender Färbung) fast völlig übertönt hat. Eine reine Resedafärbung (F/S 3.5:1) ist hier zu sehen.

Als nächstes meine Ergebnisse mit Walnussschalen. Auf dem Bild ist oben eine Färbung mit hohem Färbemittelanteil (F/S 4:1) zu sehen, die ein sattes, leicht orangefarbenes braun erzeugte, darunter mit etwas geringerem Färbemittelanteil (F/S 2.5:1) ein dunkles Braun. Warum mehr Färbemittel ein helleres Braun erzeugt kann ich nicht sagen, meine Ergebnisse stimmen aber tatsächlich mit der laut Rezept erwarteten Färbung überein.

Das nächste Färbemittel ist Henna, das bei F/S 1:1.8 nur eine kaum merkliche rot-braunfärbung auf den Stoffen zurückließ (Bild). Möglicherweise war die Färbemittelmenge zu niedrig - der Färbeversuch wird noch wiederholt. Wie Safran oder Kurkuma benötigt Henna keine vorherige Beize.

Der letzte Pflanzenfarbstoff ist Alkanna, der ein dunkles, aber etwas blasses braun färbt (Bild), F/S 1:1.5). Das 4. Teststück ist Alkanna auf Wollstoff in Ammoniakalischer Umgebung, was einen Olivton erzeugt (da aus 2. Farbzug etwas blasser).

Der letzte Farbstoff ist eine mineralische Färbung mit Kupferacetat ("Grünspan"). Hier machte ich zunächst einen Fehler: Im Insbrucker Manuskript wird dazu geraten, den Grünspan mit Alaun und Urin aufzukochen. Ich vermutete, daß einfach eine saure Umgebung gefordert war und gab Essigsäure und Alaun hinzu. Die Säure löste das Kupferacetat auf, die Flotte verfärbte sich grünlich, am Stoff haftete nach einer Stunde lediglich ein leichter Blauschimmer. Das Rezept sollte aber grüne Farbe erzeugen. In der Annahme, daß vielleicht angefaulter, in Ammoniak umgewandelter Urin gemeint war gab ich Ammoniak hinzu: Die Flotte schlug sofort ins Blaue um, und im Gegenzug haftete sich fast sofort ein grüner Belag an den Stoff. Das Ergebnis (leider etwas fleckig) ist hier zu sehen. F/S 1.5:1. Leider dauert das Erzeugen von Kupferacetat eine halbe Ewigkeit (ich stelle etwa 2g/Woche zuhause im "Reaktor" her), so daß ich höchstens irgendetwas kleineres damit färben werde...das Grün dürfte aber als Mineralische Farbe eine recht hohe Lichtechtheit haben und steht auch sonst einer teuren Waid-Reseda-Doppelfärbung wahrscheinlich in nichts nach.

Immer noch stehen einige Färbungen aus, vor allem die der beiden "großen" Blauen Farbstoffe Waid (grau-blau) und Indigo (tiefblau).
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Gerhard (Graf Ludwig III v. Saarverden)

wolltest Du den Thread nicht in "Naturfarben" umbenennen?
Argwohn ist das Messer in Deinem Ärmel und Dein Schild, das Deinen Rücken schützt![/ I]

Fachkraft für Weltfrieden

Dennis

Ich weiß zwar nicht mehr, ob ich das wollte, aber ich hab's mal getan ;)
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